
Griechenland belegt in der Rangliste der Pressefreiheit 2025 von Reporter ohne Grenzen (RSF) unter 180 Ländern Platz 89. Als Schlusslicht der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union liegt Griechenland noch hinter Ungarn und Bulgarien. RSF stellt seit 2021 eine systemische Krise der Pressefreiheit im Land fest. Die Konzentration des Eigentums in wenigen Holdings, SLAPP-Klagen gegen regierungskritische Journalisten und die Vergabe staatlicher Werbung nach politischer Loyalität sind die zentralen Punkte dieses Befunds. Mitsotakis bezeichnete den Bericht 2025 öffentlich als absurd und behauptete, im Land gebe es kein Problem mit der Pressefreiheit.
Das strukturelle Problem, das dieser Platzierung zugrunde liegt, wird im Griechischen als Diaploki (διαπλοκή) bezeichnet. Die wörtliche Übersetzung des Wortes lautet Verflechtung oder Geflecht. Im politischen Vokabular des Landes dient es hingegen dazu, die organische Verbindung zwischen Reederfamilien, Bauunternehmen, Fußballvereinen, Banken und Medienunternehmen zu beschreiben. Diaploki ist mehr als eine Pressekritik; es ist der Name für die spezifisch griechische Funktionsweise des Verhältnisses von Staat, Wirtschaft und Medien. Im Verlauf des Beitrags wird dieser Rahmen über verschiedene Ebenen hinweg entfaltet.
Der Beitrag behandelt die Grundzüge der griechischen Presse entlang von fünf Achsen. Diese Achsen bilden die großen Zeitungsgruppen und ihre Eigentümerstrukturen, Fernsehen und Hörfunk, das digitale Ökosystem, die linke und alternative Presse sowie die Krise der Pressefreiheit und die Türkei-Dimension.
Historischer Hintergrund
Die heutige Gestalt der griechischen Presse ist das Ergebnis dreier aufeinanderfolgender Brüche. Der erste Bruch ist die Phase der Metapolitefsi (Μεταπολίτευση) von 1974. Ein erheblicher Teil der nach der Junta gegründeten neuen Zeitungsgruppen wurde entweder von Reederfamilien oder von Baukapital organisiert. Der Sektor formte sich zeitgleich mit dem politischen Zweiblocksystem; Publikationen aus dem Umfeld der Nea Dimokratia und solche aus dem Umfeld der PASOK trugen die politische Agenda in den 1980er- und 1990er-Jahren auf zwei parallelen Spuren.
Der zweite Bruch war die Legalisierung des Privatfernsehens durch das 1989 verabschiedete Gesetz Nr. 1866. Bis dahin sendete ausschließlich der öffentlich-rechtliche Sender ERT. Kurz nach dem Gesetz wurden Mega Channel und Antenna gegründet. In denselben Jahren brach der Skandal um Giorgos Koskotas aus. Das sowohl mit der PASOK als auch mit der Medienmacht verflochtene Finanznetz von Koskotas, der bis an die Spitze der Bank von Griechenland aufgestiegen war, wurde sichtbar. Der Begriff Diaploki hielt genau mit diesem Skandal Einzug in das politische Vokabular Griechenlands.
Der dritte Bruch ist die Schuldenkrise von 2010. Der Einbruch des Werbemarkts, die Halbierung der Auflagen und die Aufsicht der Troika trieben viele große Verlagsgruppen in den Bankrott. Traditionsreiche Häuser, allen voran die Lambrakis-Gruppe (DOL) und die Pegasus-Gruppe (Bobolas), wechselten den Besitzer. Eine neue Generation von Milliardären stieg in die Branche ein. Das Ergebnis dieses Eigentümerwechsels war jedoch keine Pluralisierung, sondern eine Konsolidierung, an deren Ende sich mehr Medien in weniger Händen sammelten. Die Zeit nach 2010 lässt sich als die fünfzehn Jahre bewerten, in denen die griechische Presse in eine neue Oligarchenordnung übergegangen ist.
Die großen Tageszeitungen

In der griechischen Presse ragen vier große Strukturen heraus. Die erste ist die Kathimerini (Καθημερινή), zu Deutsch „Die Tägliche“. Die 1919 von Georgios Vlachos gegründete Zeitung ist die älteste kontinuierlich erscheinende Publikation der griechischen Pressegeschichte. Heute befindet sie sich im Besitz der Familie Alafouzos. Das Unternehmen gehört zu hundert Prozent Themistoklis Alafouzos. Die Familie betreibt zudem Skai TV und den Radiosender Skai 100.3. Die Kathimerini vertritt eine liberalkonservative Linie, ist proeuropäisch und steht in der Regel im Einklang mit der Nea Dimokratia. Die englischsprachige Ausgabe der Zeitung, ekathimerini.com, ist Griechenlands wichtigstes Nachrichtentor zur Außenwelt. Leitartikler Alexis Papachelas gilt als eine der einflussreichen Stimmen der öffentlichen Meinung im Land.
Die zweite ist das Zeitungsduo Ta Nea (Τα Νέα) und To Vima (Το Βήμα), zu Deutsch „Die Nachrichten“ und „Die Tribüne“. Historisch galten beide als Publikationen aus dem Umfeld der PASOK. Die 1922 gegründete To Vima und die 1931 gegründete Ta Nea bildeten über Jahrzehnte das Rückgrat der DOL-Gruppe der Familie Lambrakis. 2017 wurde die DOL-Gruppe von Alter Ego Media übernommen, das von Evangelos Marinakis, Reeder und Präsident des Fußballvereins Olympiakos, kontrolliert wird. Nach dieser Übernahme hat sich die Linie beider Zeitungen deutlich zu einem Ton verschoben, der der Regierung Mitsotakis nahesteht. Gleichwohl erscheinen in To Vima bisweilen auch kritische Beiträge, die der Regierung unbequem sind; in dieser Publikation wird Marinakis’ Strategie sichtbar, gegensätzliche Stimmen in einer einzigen Holding zu halten.
Die dritte ist Proto Thema (Πρώτο Θέμα), zu Deutsch „Erstes Thema“, Marktführerin im Boulevardsegment. Sie erscheint in Partnerschaft von Anastasiadis und Karamitsos als Sonntagszeitung und ist die meistverkaufte Wochenpublikation des Landes. Sie ist für ihren Sensationsjournalismus, ihre boulevardesken Titelseiten und ihre regierungsnahe Linie bekannt. Obwohl sie technisch keine Tageszeitung ist, übertrifft ihre Wirkungsmacht die vieler Tageszeitungen.
Die vierte ist Ethnos (Έθνος), zu Deutsch „Die Nation“. Die Zeitung, die viele Jahre von der Pegasus-Gruppe der Familie Bobolas herausgegeben wurde, ging 2017 in die Hände von Ivan Savvidis über, einem Geschäftsmann russischer Herkunft, der die griechische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Savvidis ist zugleich Eigentümer des Fußballvereins PAOK Thessaloniki und des Tabakunternehmens SEKAP.

Außerhalb dieser vier Strukturen steht im Mitte-rechts-Spektrum Eleftheros Typos (Ελεύθερος Τύπος), zu Deutsch „Freie Presse“. Die 1983 gegründete Zeitung wird heute von der Familie Vasilakis kontrolliert. Die für ihren nationalistischen und scharf regierungskritischen Ton bekannte Dimokratia (Δημοκρατία) nahm 2010 ihren Betrieb auf, wurde jedoch in den letzten Jahren durch sinkende Auflagen und finanzielle Schwierigkeiten zunehmend marginalisiert; ein bedeutender Teil der auflagenschwachen Tageszeitungen hat in der Nachkrisenzeit eine ähnliche Schrumpfung erlebt. Die frühere linke Eleftherotypia wurde 2014 eingestellt, ein erheblicher Teil ihrer Belegschaft gründete später die Efsyn. Die Sportzeitungen Sportday, Goal News und Fos ton Sport erscheinen als Verlängerung der Rivalität zwischen den Fußballvereinen. Im Wirtschaftsbereich behauptet Naftemporiki ihren Status als Referenzzeitung.
Finanziell ist das Bild schwach. Die Auflage der Tageszeitungen ist im letzten Jahrzehnt um mehr als siebzig Prozent gesunken. Heute kommt selbst die meistverkaufte Tageszeitung nicht über eine Auflage von fünfzigtausend hinaus. Diese Schwäche macht die Zeitungen entweder von reichen Verlegern oder von staatlicher Werbung abhängig. Genau diese erzwungene Abhängigkeit ist die Hauptquelle der strukturellen Fragilität des Sektors.
Fernsehen und Hörfunk
Das Fernsehen nimmt beim Nachrichtenkonsum der griechischen Gesellschaft einen weit größeren Platz ein als die Zeitung. Der öffentlich-rechtliche Sender ERT (Ελληνική Ραδιοφωνία Τηλεόραση), zu Deutsch „Griechischer Rundfunk und Fernsehen“, betreibt drei nationale Hauptkanäle. ERT1 ist der Flaggschiffsender mit Schwerpunkt auf dem Vollprogramm. ERT2 Sport ist auf Sport ausgerichtet. ERT3 hat seinen Sitz in Thessaloniki und sendet für Nordgriechenland. Hinzu kommen ERT News, das an sieben Tagen der Woche Nachrichten sendet, und ERT World, das sich an ein internationales Publikum richtet. Die jüngere Geschichte des Senders zeigt deutlich die Macht politischer Eingriffe. Am 11. Juni 2013 schloss die Regierung Samaras ERT per Dekret über Nacht; mehr als zweitausend Beschäftigte verloren ihre Arbeit, die Bildschirme wurden schwarz. Die Entscheidung ist ein in der Geschichte des europäischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks beispielloser Vorgang und stieß auf scharfe Verurteilung durch die Europäische Rundfunkunion (EBU). Die Regierung von Alexis Tsipras eröffnete ERT 2015 wieder. Als Mitsotakis 2019 an die Macht kam, wurde die Leitung des Senders dem früheren Presseberater des Ministerpräsidenten, Konstantinos Zoulas, übertragen. Diese Ernennung wurde kritisiert, und in der Nachrichtenlinie von ERT wurde eine Annäherung an die Regierung beobachtet.

Auf privater Seite versuchte die Regierung Tsipras 2016, die Zahl der privaten nationalen Sendelizenzen auf vier zu senken, doch das Verfassungsgericht hob die Regelung auf. In der 2018 neu durchgeführten Ausschreibung wurden sechs nationale Sendelizenzen vergeben. Die Lizenzinhaber sind folgende: Skai TV (ΣΚΑΪ) gehört der Familie Alafouzos. Mega Channel (Μέγκα), zu Deutsch „Groß“, gehört zur Holding Alter Ego Media von Marinakis. Antenna (ANT1) gehört der Familie Kyriakou und ist der erste, 1989 gegründete Privatsender. Star Channel und Alpha TV werden von der Familie Vardinoyannis kontrolliert; das wirtschaftliche Gewicht der Familie stammt aus dem Mineralölunternehmen Motor Oil Hellas. Open TV (Open Beyond) befindet sich in den Händen von Savvidis. Darüber hinaus sendet Action 24 mit einem anderen Lizenztyp landesweit, während Vouli TV (Βουλή Τηλεόραση) beim Parlament Plenarsitzungen und Kulturprogramme ausstrahlt. Über die Plattformen Cosmote TV und Nova werden Dutzende Sport-, Film- und Serienkanäle im Abonnement angeboten.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass von den sechs national lizenzierten Privatsendern zwei in den Händen von Reederfamilien (Alafouzos, Marinakis), zwei in denen einer Energie- und Ölgruppe (Vardinoyannis) und einer in denen eines Geschäftsmanns russischer Herkunft (Savvidis) liegen. Den verbleibenden Sender ANT1 führt die Familie Kyriakou. Eigentümer, die ihre branchenfremden Geschäftszweige im Blick haben, erwarten, dass die Nachrichtenagenda so gestaltet wird, dass sie ihre kommerziellen Interessen nicht stört. Der Umgang von Skai TV mit den Debatten über die Besteuerung der Reeder, der Ton von Mega in der Berichterstattung über Olympiakos und die Haltung von Star zu Umweltverfahren mit Bezug zu Motor Oil sind konkrete Indikatoren dieses Mechanismus.
Im Hörfunk lassen sich drei große Netze nennen. Skai 100.3 ist der Sender mit dem höchsten Hörerinnen- und Höreranteil in Athen. Real FM tritt unter der Leitung von Pavlos Tsimas als weiterer populärer Sender mit einer Linie der Mitte hervor. Athens 9.84 ist ein öffentlicher Sender der Stadtverwaltung. Unter dem Dach von ERT arbeiten neun nationale Radiosender. Das Radio erreicht in Athen und Thessaloniki als wichtigste Nachrichtenquelle im morgendlichen Berufsverkehr ein breiteres Publikum als die Printmedien.
Das digitale Ökosystem
Mit dem Schrumpfen der Printpresse hat sich der Nachrichtenkonsum weitgehend auf Online-Portale verlagert. Die Websites der traditionellen Zeitungen (kathimerini.gr, tovima.gr, tanea.gr, protothema.gr) zählen zu den Angeboten mit hohem Verkehrsaufkommen. Hinzu kommen rein digitale Medien. Newsit.gr, iefimerida.gr und news247.gr sind unter der Holding 24Media der Marinakis-Gruppe zusammengefasst. Diese Konsolidierung hat Marinakis’ Einfluss aus dem Printbereich in den digitalen Raum übertragen. Auch das Portal In.gr gehört zu derselben Holding; mit über einer Million Einzelbesuchern pro Tag zählt es zu den Nachrichtenseiten mit dem höchsten Verkehrsaufkommen im Land.
Auf unabhängiger Seite stehen kleinere Strukturen. Solomon ist eine gemeinnützige Organisation, die tiefgehenden Journalismus zu Migrations- und Minderheitenfragen betreibt. Inside Story tritt als abonnementgestütztes Portal für investigativen Journalismus hervor. iMEdD (incubator for Media Education and Development) produziert als von der Stavros-Niarchos-Stiftung finanziertes Journalismuslabor investigative und datenjournalistische Projekte. Diese kleinen Strukturen tragen einen wichtigen Teil des Qualitätsjournalismus in der griechischen Presse, bleiben jedoch von einer breiten Massenwirkung entfernt.
Linke und alternative Presse
Auf dem anderen Flügel der griechischen Presse findet sich eine andere Ökologie. Die erste ist die Efimerida ton Syntakton (Εφημερίδα των Συντακτών), kurz Efsyn, zu Deutsch „Zeitung der Redakteure“. Sie wurde 2012 von den Beschäftigten der in der Krise eingestellten Zeitung Eleftherotypia nach einem Genossenschaftsmodell gegründet. Einen Verleger als Eigentümer gibt es nicht; alle Beschäftigten erhielten anfangs denselben Lohn. Chefredakteur Nikolas Voulelis bezog zehn Jahre lang kein Gehalt. Dieses Gründungsbeispiel nimmt in der griechischen Pressegeschichte einen außergewöhnlichen Platz ein. Efsyn publiziert heute mit einer Mitte-links-Linie und liefert in investigativen Dossiers tiefergehende Berichte als die Mainstream-Medien.
Die zweite ist die Avgi (Αυγή), zu Deutsch „Morgenröte“. Sie wurde 1952 gegründet. Über viele Jahre erschien sie unter der redaktionellen Leitung linker Persönlichkeiten wie Manolis Glezos. Seit der Zeit, in der sich SYRIZA unter dem Dach des linken Blocks positionierte, fungiert sie als Parteiorgan. Ihre Auflage ist gering, doch sie bleibt die zentrale Quelle, um die internen Debatten von SYRIZA zu verfolgen.
Die dritte ist Rizospastis (Ριζοσπάστης), zu Deutsch „Der Radikale“. Das Blatt wurde 1916 gegründet. Es ist das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE). Es gilt als älteste Publikation des Landes. Einschließlich der Jahre des Bürgerkriegs hat es die Parteilinie ohne Unterbrechung fortgeführt. Es ist eines der wenigen kommunistischen Parteiblätter in Europa, die so lange ohne Unterbrechung erscheinen konnten.
Die vierte ist die Wochenzeitung Documento. Bemerkenswerterweise ist ihr Eigentümer ebenfalls Marinakis. Anders als Marinakis’ übrige Publikationen legt Documento jedoch den Schwerpunkt auf investigativen Journalismus und regierungskritische Berichterstattung. Dieser Widerspruch ist eines der charakteristischen Muster der griechischen Medien. Eine einzige Holding gibt sowohl eine regierungsnahe Tageszeitung (Ta Nea) als auch eine der Linie der Hauptopposition nahestehende Wochenzeitung (Documento) heraus, sodass sich der mediale Einfluss parallel in unterschiedliche Richtungen nutzen lässt.
Eigentumskonzentration und Diaploki
Fasst man das obige Bild zusammen, wird die Struktur der griechischen Medien deutlich. Drei bis vier Familien kontrollieren einen bedeutenden Teil der Print- und audiovisuellen Medien. Die Familie Alafouzos führt Reederei, den Fußballverein Panathinaikos und die Holding Skai-Kathimerini; die Familie Marinakis Reederei, den Fußballverein Olympiakos und das Spektrum Mega-Ta Nea-To Vima-Documento; die Familie Vardinoyannis Erdöl, Schifffahrt und das Fernsehduo Star-Alpha; die Familie Savvidis den Verein PAOK, Tabak und die Struktur Ethnos-Open TV. Diese begrenzte Zahl an Holding-Partnerschaften steht nicht nur im Medienbereich, sondern in allen mit dem Staat verflochtenen Sektoren wie öffentlichen Ausschreibungen, Zollübergängen, Hafenbetrieben und Energieprojekten miteinander in Kontakt.
Ein konkreter Indikator dieser Überschneidung ist das Monopol im Zeitungsvertrieb. Das Unternehmen Argos, das nahezu alle großen Zeitungen und Zeitschriften des Landes vertreibt, gehört Marinakis und anderen großen Verlegern gemeinsam. Die EU-Kommission und die griechische Wettbewerbskommission prüfen Vorwürfe, Argos behindere systematisch konkurrierende Publikationen. Einige Publikationen wie Kathimerini, Documento und Proto Thema werden nicht in die offiziellen Bulletins von Argos aufgenommen, sodass ihre Auflagen niedriger ausgewiesen werden können, als sie tatsächlich sind. Die Abhängigkeit von einem einzigen Vertriebskanal erschwert es kleinen Publikationen, Platz in den Regalen zu finden.
Der zweite Indikator der Diaploki-Logik ist die Verteilung staatlicher Werbung. Das jährliche Werbe- und Bekanntmachungsbudget des Staates fließt unverhältnismäßig stark an regierungsnahe Publikationen. Diese Praxis wurde in der Covid-19-Zeit sichtbar und wird von Organisationen für Pressefreiheit seither als Lista Petsa (Petsas-Liste) bezeichnet. Der Name der Liste geht auf den damaligen Regierungssprecher Stelios Petsas zurück. Kritiker machen geltend, das Budget sei nach dem Grad der Loyalität gegenüber der Regierung verteilt worden. Der Anteil unabhängiger und kritischer Publikationen an diesem Budget von über 20 Millionen Euro blieb recht begrenzt.
Der dritte Mechanismus ist die staatliche Kontrolle über die Regulierung von Medieneigentum und Sendelizenzen. Obwohl der Nationale Rundfunk- und Fernsehrat Griechenlands (ESR) als unabhängige Behörde konzipiert ist, wird seine politische Zusammensetzung durch Vorschläge der Regierung geprägt. Diese Struktur hält die Vorwürfe, nationale Sendelizenzen würden an regierungsfreundliche Sender vergeben, dauerhaft lebendig.
Eine häufig übersehene Seite der Diaploki-Ordnung ist die umgekehrte Vorherrschaft des Staates über die Medieneigentümer. Die Milliardenkredite, die Reederfamilien, Bauunternehmen und Einzelhandelsholdings von auf staatliche Unterstützung angewiesenen Instituten wie der Piraeus Bank, der Alpha Bank und der Nationalbank von Griechenland erhalten haben, waren in der Nachkrisenzeit fortwährend Gegenstand von Umschuldungsverhandlungen. Die Rückzahlungsbedingungen dieser Kredite, Anträge auf Zinssenkung und die Verfahren zur Bewertung von Sicherheiten liegen weitgehend in den Händen der Regierung. Ebenso sind die über die Unabhängige Behörde für öffentliche Einnahmen (AADE) durchgeführten Steuerprüfungen, die Erneuerung von Sendelizenzen und die Verlängerung von Hafen- und Infrastrukturkonzessionen Justierungsmechanismen des Staates gegenüber den Medieneigentümern. Diaploki ist daher keine einseitige Oligarchenherrschaft, sondern ein System gegenseitiger Abhängigkeit und verdeckter Erpressung zwischen Staat und Medienkapital. Während die Eigentümer den Nachrichtenrahmen zugunsten der Regierung justieren, hält die Regierung die Eigentümer mit finanziell-bürokratischen Hebeln auf Linie. Das System funktioniert auf der Grundlage dieses symbiotischen Gleichgewichts; wird die Macht einer Seite relativ schwächer, erzeugt die andere Seite korrigierende Eingriffe.
Ausländischer Einfluss und geopolitische Front
Das griechische Medienbild allein über die einheimischen Oligarchen zu lesen, greift zu kurz. Der Sektor ist zugleich die mediale Front des Einflusskampfes der Großmächte um Griechenland. Die Achse Skai-Kathimerini der Familie Alafouzos steht eindeutig in einer atlantisch-europäischen Ausrichtung. Die Leitartikellinie der Kathimerini verläuft parallel zum NATO-Rahmen, zur strategischen Partnerschaft zwischen den USA und Griechenland und zur energie- und sicherheitspolitischen Agenda der EU. Dieser Block betrachtet in außenpolitischen Debatten die US-Stützpunktinfrastruktur, NATO-Investitionen und atlantische Geheimdienstkooperationen als natürlichen Bezugspunkt.
Am Gegenpol steht die Struktur Ethnos-Open TV von Ivan Savvidis. Obwohl er die griechische Staatsbürgerschaft angenommen hat, gilt Savvidis als einer der Einflussapparate Russlands gegenüber Griechenland, insbesondere über Nordgriechenland und den westlichen Balkan. 2018 geriet er mit Vorwürfen in die Schlagzeilen, er habe die Demonstrationen gegen das Prespa-Abkommen in Thessaloniki unterstützt; die griechische Regierung protestierte bei Russland, und russische Diplomaten wurden ausgewiesen. Die Nachrichtenlinie von Open TV und Ethnos fällt häufig durch Berichte auf, die Russlands Position zum Ukraine-Krieg abmildern, durch Analysen, die die Schritte der USA im östlichen Mittelmeer infrage stellen, und durch Rahmungen, die die Kosten der NATO-Erweiterung für Griechenland hinterfragen.
Die gegensätzlichen Positionen dieser beiden Blöcke traten in einem konkreten außenpolitischen Dossier am sichtbarsten in den Debatten über den Ausbau des Hafens von Alexandroupolis (Dedeağaç) zu einem logistischen Militärstützpunkt der USA zutage. Die Linie Skai-Kathimerini rahmte den Hafenausbau als strategischen Gewinn Griechenlands und stellte Verteidigungsinvestitionen sowie gemeinsame Militärübungen der USA und Griechenlands in den Vordergrund. Die Publikationen aus dem Umfeld von Savvidis lasen denselben Prozess dagegen im Rahmen einer Beschädigung des Handels mit Russland, eines NATO-Aufmarschs in Richtung Schwarzes Meer und einer regionalen Destabilisierung. Die energielastigen Medienstrukturen der Familie Vardinoyannis hielten einen pragmatischen Kurs und pflegten eine gemäßigte Sprache, die sowohl die Interessen der Ölbranche als auch die Energiewendepolitik der EU berücksichtigte.
Somit ist das Medieneigentum in Griechenland nicht nur ein Spiegel von Familienvermögen, sondern auch der lokalen Repräsentationssysteme globaler Machtblöcke. Der Wettbewerb innerhalb der Diaploki ist einerseits der Ausschreibungswettbewerb zwischen Reedern und Baukapital, andererseits der Kampf zwischen den USA und Russland um die regionale Ausrichtung. Die Rahmung, die die griechische Öffentlichkeit auf der außenpolitischen Agenda sieht, ist nicht bloß eine redaktionelle Entscheidung, sondern eine Resultante, die dieser Wettbewerb hervorbringt.
Die Krise der Pressefreiheit
Die oben beschriebenen strukturellen Probleme sind nach 2021 durch drei aufeinanderfolgende Ereignisse auf die internationale Agenda gelangt.
Das erste ist der Predator-Skandal. Im September 2022 wurde belegt, dass das Mobiltelefon des PASOK-Vorsitzenden Nikos Androulakis anderthalb Jahre zuvor mit der kommerziellen Spionagesoftware Predator abgehört worden war. In den folgenden Wochen wurde festgestellt, dass die Telefone des investigativen Journalisten Thanasis Koukakis, des Wirtschaftsjournalisten Stavros Malichudis, von Reportern von Documento, eines Korrespondenten von CNN Griechenland sowie von mehr als dreizehn Personen, unter denen sich auch der Generalstabschef befand, mit derselben Software ins Visier genommen worden waren. Der Leiter des Nationalen Nachrichtendienstes (EYP), Panagiotis Kontoleon, trat zurück, und auch Grigoris Dimitriadis, ein enger Verwandter von Mitsotakis und Generalsekretär des Amtes des Ministerpräsidenten, schied aus seinem Amt. Der Skandal führte zur Einsetzung des PEGA-Ausschusses im Europäischen Parlament und ging als größter Fall des Abhörens von Journalisten in der Geschichte der EU in die Annalen ein. Der Oberste Gerichtshof Griechenlands entschied 2024, dass der EYP nicht mit dem Skandal in Verbindung stand, doch das eigentliche Gewicht des Dossiers liegt anderswo. Der Nachrichtendienst eines EU-Mitgliedstaats konnte Journalisten systematisch abhören, ein wirksames Verfahren zur Rechenschaftslegung wurde jedoch nicht in Gang gesetzt. Das Predator-Dossier ist ein konkreter Beleg dafür, dass die Diaploki-Ordnung nicht nur mit Geld und Ausschreibungen, sondern unmittelbar auch mit Geheimdienst- und Erpressungsapparaten funktioniert.
Das zweite sind die SLAPP-Klagen. Diese als Strategic Lawsuit Against Public Participation bekannte juristische Taktik funktioniert so, dass große Unternehmen oder regierungsnahe Personen kleine Publikationen und unabhängige Journalisten mit kostspieligen Verleumdungsklagen überziehen. Dass die Klage gewonnen wird, wird nicht erwartet. Ziel ist es, den Journalisten zu zermürben, ihn mit Prozesskosten zu überlasten und von der Nachrichtenproduktion abzuschrecken. Eine 2023 verabschiedete Gesetzesänderung hat das Risiko erhöht, dass Journalisten wegen Verleumdung zu Haftstrafen verurteilt werden. Ein Journalist wurde nach dem Strafgesetz wegen Verbreitung falscher Nachrichten verurteilt, ohne dass irgendein konkreter Beweis vorgelegt wurde. Darüber hinaus wird, wie Politico berichtet, behauptet, dass ein mit der Nea Dimokratia verbundenes Kommunikationsunternehmen namens Blue Skies verdeckte Propagandakampagnen zugunsten der Regierung durchgeführt habe.
Das dritte ist die Frage der körperlichen Sicherheit von Journalisten. RSF-Berichte dokumentieren, dass die Polizei regelmäßig Gewalt gegen Journalisten anwendet, die über Demonstrationen berichten, dass Reporter, die über die Flüchtlingskrise auf den griechischen Inseln berichten, auf willkürliche Verbote stoßen und dass Journalisten bei Sportveranstaltungen sowie vor ihren Wohnungen körperlich angegriffen werden. Journalistinnen sind zudem einem verbreiteten Klima sexistischer Belästigung ausgesetzt. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien gehört zu den niedrigsten in Europa.
Die Türkei-Dimension
Die Art und Weise, wie die griechische Presse die Türkei behandelt, ist nicht einheitlich, die vorherrschende Tendenz ist jedoch recht stabil. Die englischsprachige Ausgabe der Kathimerini, ekathimerini, folgt in Türkei-Fragen dem Rahmen der angelsächsischen Presse und bemüht sich um eine vergleichsweise ausgewogene Sprache; die Analysen des Leitartiklers Alexis Papachelas verlaufen zwar parallel zu den offiziellen Positionen Athens, bilden aber inhaltlich-fachlich einen wichtigen Bezugspunkt. Publikationen wie Ta Nea, To Vima, Ethnos und Eleftheros Typos bauen die außenpolitische Agenda dagegen weitgehend über einen türkeizentrierten Bedrohungsdiskurs auf. Die historischen Wurzeln dieser Sprache reichen bis zum politischen Diskurs der PASOK von Andreas Papandreou in der Zeit nach der Zypern-Intervention von 1974 zurück. Die Beständigkeit dieses Diskurses ist nicht nur eine ideologische Präferenz, sondern eine über Jahrzehnte entlang der Erwartungen der Leserschaft institutionalisierte redaktionelle Linie.
Die Bündelung der Türkei-Agenda in der griechischen Presse formt sich um bestimmte Themen. Das erste ist das Dossier der maritimen Zuständigkeitsgebiete und des östlichen Mittelmeers. Während Kathimerini und Naftemporiki sich in einem technisch-rechtlichen Rahmen bewegen, pflegt der Boulevardflügel eine ereigniszentrierte Sprache und bringt Begegnungen von Kriegsschiffen auf die Titelseiten. Das zweite ist die Zypernfrage. In diesem Themenfeld folgen alle Publikationen einer Linie, die parallel zum Diskurs Griechenlands und der griechisch-zyprischen Verwaltung verläuft; die Stimme der türkisch-zyprischen Seite findet im Mainstream nahezu keinen Widerhall. Das dritte sind Migration und die Grenzen in der Ägäis. Während konservative Publikationen eng am Rahmen einer Instrumentalisierung der Migration durch die Türkei festhalten, hinterfragen linke und alternative Publikationen die Kosten der griechischen Küstensicherung für das Leben von Geflüchteten. Das vierte ist das Dossier Aufrüstung und militärisches Gleichgewicht. Die Beschaffung von Mirage, Rafale und F-35 sowie der Wettbewerb bei unbemannten und bewaffneten Drohnen werden ausführlich behandelt, die Entwicklung der türkischen Rüstungsindustrie wird entlang einer Bedrohungsachse vermittelt.
Beim Boulevardflügel wird die Sprache schärfer. Proto Thema gestaltete ihre Schlagzeilen während der Krisen im östlichen Mittelmeer mit großformatigen türkeifeindlichen Formulierungen und berichtete sensationsheischend über Begegnungen von Kriegsschiffen; heute ist sie der eigentliche Träger des scharfen Türkei-Diskurses im Boulevardflügel. Dimokratia löste 2020 mit einer Titelseite, die sich gegen Staatspräsident Erdoğan richtete, eine diplomatische Krise in den türkisch-griechischen Beziehungen aus; auch wenn die Zeitung heute finanziell geschwächt ist, bleibt sie als symbolischer Bezugspunkt jener Zeit in Erinnerung. Auch Eleftheros Typos pflegt eine ähnliche Sprache; besonders in Wahlkampfzeiten tritt eine türkeibezogene Verschärfung im gesamten Boulevardflügel deutlich hervor. Solche Publikationen mobilisieren in der Innenpolitik nicht nur die rechte Basis, sondern in großem Umfang auch Bevölkerungsteile mit ausgeprägter Türkeifeindlichkeit.

Trotz der finanziellen Schwäche der Dimokratia ist in den letzten Jahren eine weitere auffällige Haltung deutlich geworden: ihre sich herausbildende proisraelische redaktionelle Linie und die wachsende Plattform, die sie türkeifeindlichen israelischen Analysten bietet. Das in der Ausgabe vom 21. Mai 2026 unter dem Namen von Giorgos Charvalias erschienene Interview mit dem israelischen geopolitischen Analysten Shai Gal unter dem Titel „Die Türkei ist der neue Iran“ gehört mit seinen Diskursmustern zum trilateralen Bündnis Israel-Griechenland-Zypern, zu den Angriffen auf Erdoğan und zur türkischen Präsenz in Nordzypern zu den herausragenden jüngsten Beispielen dieser Linie. Auch wenn die Auflage der Zeitung gesunken ist, werden solche Interviews von der ausländischen Presse zitiert und prägen die diskursive Atmosphäre im Dreieck Griechenland-Israel-Türkei unverhältnismäßig stark.
Auf Seiten der linken Presse ist das Bild komplexer. Rizospastis, das Blatt aus dem Umfeld der KKE, bewertet die Türkei in erster Linie im NATO-Rahmen und behandelt sie als Teil der imperialistischen Ordnung; die Spannungen zwischen beiden Ländern liest es in der Logik eines Spiels der Großmächte. Avgi, die Publikation aus dem SYRIZA-Umfeld, unterstützte die pragmatische Türkeipolitik von Tsipras im Zeitraum 2015–2019 und übernahm danach eine ambivalente Sprache. Die unabhängige linke Efsyn berichtet regelmäßig über oppositionelle Stimmen und Minderheitenfragen in der Türkei und tritt als die Publikation hervor, die dieses Thema in der griechischen Presse am tiefgehendsten verfolgt. Auch kleine digitale Strukturen wie Solomon und Inside Story behandeln Migrationsfragen auf der Achse Türkei-Griechenland in einem anderen Ton als der Mainstream und bringen Zitate türkischer Journalisten sowie gemeinsame Rechercheprojekte hervor.
Die nach 2023 einsetzende Phase diplomatischer Entspannung hat sich in der griechischen Presse unterschiedlich niedergeschlagen. Nach den Treffen zwischen Mitsotakis und Erdoğan trat in Kathimerini und Ta Nea eine vergleichsweise gemäßigte Sprache hervor, und gemeinsame Investitionsmöglichkeiten sowie gegenseitige Tourismuszahlen fanden Eingang in die Berichterstattung. Der Boulevardflügel hält dagegen, wenn auch vorsichtig, am türkeizentrierten Bedrohungsrahmen fest. Das allgemeine Muster ist folgendes: Phasen diplomatischer Öffnung erzeugen kurzfristige Entspannungen, die redaktionelle Hauptlinie bleibt jedoch dieselbe. Dass griechische Meinungsumfragen die Türkei regelmäßig als Bedrohungsquelle Nummer eins ausweisen, erschwert eine Änderung dieser Linie.
Auch die Frage der Asymmetrie ist wichtig. Der Raum, den Griechenland in den türkischen Medien einnimmt, bleibt weit hinter dem Raum zurück, den die Türkei in den griechischen Medien einnimmt. Während die Türkei in ihrer außenpolitischen Berichterstattung keine dauerhafte Griechenland-Agenda hat, steht die Türkei für Griechenland im Zentrum der außenpolitischen Berichterstattung. Diese Asymmetrie ergibt sich nicht nur aus Unterschieden in geografischer Größe und Bevölkerung, sondern auch daraus, dass der griechische Identitätsdiskurs historisch über die Gegnerschaft zur Türkei konstruiert wurde. Nur wenige griechische Leitartikler kennen die türkische Politik von innen, während türkische Presseforscher griechische Nachrichten im Durchschnitt mit höherer Sachkenntnis verfolgen.
Eine weitere Funktion des Türkei-Diskurses in der griechischen Presse besteht darin, in innenpolitischen Krisenmomenten als Instrument zur Themenverlagerung zu dienen. Betrachtet man aufmerksam das Zugunglück von Tempi im Februar 2023, die großen Waldbrände im Sommer 2024, die Wochen, in denen der öffentliche Druck im Predator-Skandal seinen Höhepunkt erreichte, oder die Phasen, in denen die Regierung in der Sozialpolitik in die Enge geriet, so zeigt sich, dass die Schlagzeilen mit kurzer Verzögerung zu einer NAVTEX-Krise in der Ägäis, zu Flüchtlingsbewegungen an der Grenze am Evros, zu Flugdaten türkischer Kampfdrohnenstaffeln oder zu Meldungen über seismische Forschungen im östlichen Mittelmeer wechseln. Diese Schwenks sind alles andere als zufällig. Innerhalb des Diaploki-Räderwerks fungiert der Türkei-Diskurs für die Regierung als Notfallknopf und für die Oligarchenkanäle als sicheres Schlagzeilenthema, das die Aufmerksamkeit von inneren Problemen ablenkt. Die Türkei ist in der griechischen Presse daher nicht nur ein historisches Anderes oder eine strukturelle Bedrohung; sie ist eine taktische Nebelgranate, die man bei Bedarf griffbereit hält, ein Instrument des Agendamanagements mit Gebrauchswert. Diese Funktionalität ist auch eine der Erklärungen dafür, warum die türkisch-griechische Entspannung an der Medienfront nur schleppend vorankommt, denn würde das Instrument funktionslos, hieße das, dass sich ein wichtiger Kontrollkanal in den Händen des Systems schließt.
Die strukturellen Probleme der griechischen Presse betreffen unmittelbar auch die Türkei. In der Diaploki-Ordnung nähern sich die Publikationen im Besitz von Reederfamilien der Frage der maritimen Zuständigkeitsgebiete mit einem Blick, der ihre kommerziellen Interessen berücksichtigt. Die Publikationslinie der Holdings von Eigentümern mit Reederhintergrund wie Alafouzos und Marinakis bestimmt dauerhaft die mediale Darstellung der griechischen Positionen im Dossier östliches Mittelmeer. Dies zeigt einerseits, dass kommerzielles Interesse zu strategischem Diskurs wird, und andererseits, dass sich strategischer Diskurs auf ein kommerzielles Netzwerk stützt. Aus Sicht der türkischen Presseforschung bedeutet die Untersuchung der Rahmung der Türkei durch die griechischen Medien über das bloße Verfolgen von Nachrichteninhalten hinaus zu verstehen, wer diesen Rahmen aus welchem Grund errichtet.
Bei näherer Betrachtung dieser Gleichung zeigt sich, dass die Beziehung nicht einseitig ist und Kapitalinteressen den maximalistischen Staatsdiskurs bisweilen bremsen können. Der kritischste Test dafür ist die Frage der Ausdehnung der Hoheitsgewässer von 6 auf 12 Meilen. Auf dem Papier bringt eine 12-Meilen-Entscheidung dem griechischen Seeverkehrssektor erhebliche Vorteile; zu den wichtigsten dieser Vorteile zählen ein Monopol im Verkehr zwischen den Inseln infolge der Unterstellung kritischer Durchfahrtsrouten in der Ägäis unter griechische Souveränität, Einnahmen aus Lotsenpflicht und Schleppdiensten in verengten Korridoren, die logistische Kontrolle über Offshore-Energie- und seismische Forschungsprojekte zusammen mit der physischen Ausdehnung der Ansprüche auf Ausschließliche Wirtschaftszone und Festlandsockel sowie die uneingeschränkte Anwendung einer erweiterten griechischen Gerichtsbarkeit.
Der eigentliche Reichtum der großen griechischen Reeder stammt jedoch nicht aus dem Verkehr innerhalb der Ägäis, sondern aus der Hochseeschifffahrt und dem Transithandel zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer. Sollte die Türkei eine 12-Meilen-Erklärung als casus belli werten, würde die Einstufung der Ägäis als Hochrisikogebiet durch Versicherungsinstanzen wie das Londoner Joint War Committee die Prämien für Kriegsrisiko- und Kaskoversicherung auf astronomische Höhen treiben, könnte griechische Schiffe im Schwarzen Meer operativ festsetzen und internationale Charterer zu asiatischen oder europäischen Konkurrenten abwandern lassen. Aufgrund dieser strukturellen Rechnung neigt die Haltung von Publikationen mit Reederhintergrund in der 12-Meilen-Frage dazu, sich vom maximalistischen Staatsdiskurs abzuheben; vorsichtige redaktionelle Linien, die Bedingungen wie den Zeitpunkt der Entscheidung, die Reife der internationalen Rahmenbedingungen und die Belastbarkeit der Unterstützung durch Verbündete betonen, treten als Kennzeichen dieser Publikationen hervor. Die Diaploki zeigt sich in diesem Beispiel nicht als einseitiger Mechanismus der Diskursproduktion, sondern als zweiseitiges Gleichgewichtssystem, in dem die globale Kostenrechnung des Kapitals maximalistische Schritte des Staates bremsen kann.
Fazit
Die griechische Presse bietet auf den ersten Blick ein lebendiges und plurales Bild. Strukturell befindet sie sich jedoch in einer äußerst fragilen Lage. Drei bis vier Familien halten einen bedeutenden Teil der Print- und audiovisuellen Medien in ihren Händen, Medieneigentümer, die der Staat über Kredit- und Kontrollhebel lenkt, justieren die Nachrichtenrahmen zugunsten der Regierung, Holdings in der Rolle lokaler Vertreter globaler Machtblöcke bestimmen die außenpolitische Agenda, die Auflagen sinken, und die nach dem Predator-Skandal entstandene Rechenschaftslücke sowie SLAPP-Klagen zermürben kritische Stimmen weiterhin. Der Befund von RSF mit Platz 89 ist keine bloße Frage der Rangfolge, sondern verweist auf ein innerhalb der EU zurückgefallenes Presseklima.
Abschließend ist das Verständnis der griechischen Presse für die Türkei in zweierlei Hinsicht wichtig. Erstens ist es für die regionale Diplomatie notwendig zu wissen, wie Athens Türkei-Diskurs produziert wird, welche Kapitalgruppen diesen Diskurs prägen und welche Journalisten unter Druck stehen. Zweitens ist das griechische Beispiel ein wichtiger Fall für eine Gesellschaft, die darüber nachdenkt, wohin sich ihre eigene Medienstruktur entwickeln wird. Die Anbindung von Kapitalgruppen an den Staat über Medieneigentum ist kein gewöhnliches Aufsichtsproblem, sondern steht im Zentrum der Frage des demokratischen Gleichgewichts. Die politische Neuausrichtung, die sich bei den Wahlen 2027 in Griechenland vollziehen wird, wird auch weitgehend bestimmen, wie sich die Pressestruktur entwickelt.
