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Nach sechzig Tagen: Die Suche nach Ordnung in Hormus und die regionalen Kräfteverhältnisse

Entscheidend wird künftig sein, wessen Regeln die regelmäßige Durchfahrt durch Hormus bestimmen. Eine Durchfahrt mit Irans Zustimmung würde Teherans militärischen Verlust in politische Autorität verwandeln. Ein dauerhafter US-Korridor würde diesen Hebel neutralisieren.

Oral Toğa2. September 20265 Min. Lesezeit

Die im Abkommen von Islamabad vorgesehene Frist von 60 Tagen ist in den vergangenen Wochen abgelaufen. Das Abkommen war am 17. Juni unter pakistanischer Vermittlung unterzeichnet worden. Bei diesem Datum geht es lediglich um das Ende der für Verhandlungen vorgesehenen Frist und nicht um das Ende der Waffenruhe. Grundsätzlich sah der Text vor, dass die USA und Iran innerhalb von höchstens 60 Tagen eine endgültige Einigung erzielen sollten. Im selben Zeitraum verpflichtete er Iran, Handelsschiffen eine kostenlose und sichere Durchfahrt zu gewähren, und die USA, die Seeblockade aufzuheben. Abgelaufen ist also im Wesentlichen nicht die Dauer der Waffenruhe, sondern die Erwartung, dass aus der vorläufigen Vereinbarung eine dauerhafte Ordnung werden könnte.

Dass das Abkommen nicht umgesetzt werden konnte, überrascht jedoch nicht. Washington verstand den Text als Übergangsinstrument, das die Straße von Hormus wieder zur freien Schifffahrt nach den vor dem 28. Februar geltenden Regeln zurückführen sollte. Teheran dagegen betrachtete die Formulierung „künftige Verwaltung und maritime Dienstleistungen“ im selben Text als Beginn einer neuen Ordnung, in der seine Rolle in der Meerenge anerkannt würde. So entstanden von Anfang an unterschiedliche Auslegungen. Zudem sah Artikel neun des Abkommens vor, dass Washington bis zu einer endgültigen Einigung keine neuen Sanktionen verhängen sollte. Das Paket vom 24. August zeigte, dass die USA den Rahmen vom 17. Juni einschließlich dieser Bestimmung nicht mehr als verbindliche Übergangsgrundlage betrachteten.

Washingtons neuer Krieg

Aus amerikanischer Sicht hat sich der Schwerpunkt des Krieges verlagert. Die im Februar mit Zielen wie der Beseitigung des Atomprogramms und dem Sturz des Regimes begonnene Operation verwandelte sich sechs Monate später in einen Kampf um einen regelmäßigen Warenfluss durch Hormus. An die Stelle direkter Angriffe traten die Räumung von Minen, geschützte Durchfahrten durch Korridore vor der omanischen Küste und die Blockade iranischer Häfen.

Washington erklärt, es habe es mit Verhandlungen nicht eilig, und betrachtet den Text vom 17. Juni faktisch als überholt. Dies darf jedoch nicht so verstanden werden, als sei die militärische Option vollständig entfallen. Es deutet vielmehr darauf hin, dass sich die Formen des Drucks und der Kriegsführung verändert haben. Tatsächlich nahmen die USA am Abend des 1. September ihre Angriffe auf Iran wieder auf. Das US-Zentralkommando CENTCOM griff dabei insbesondere die Umgebung der Straße von Hormus und die südlichen Regionen des Landes an.

Es ist allerdings noch zu früh, um zu sagen, ob diese Angriffe wie die vorangegangenen begrenzt bleiben oder in einen umfassenden Angriff übergehen werden. Indem die USA die Meerenge ohne Irans Zustimmung wieder nutzbar machen, versuchen sie, Teherans stärkstes Druckmittel zu schwächen und sich durch neue Sanktionen eine stärkere Position am nächsten Verhandlungstisch zu verschaffen. Dies lässt sich eher als Politik zur Fortführung des Krieges mit geringerer Intensität denn als Friedenspolitik verstehen.

Teheran wiederum betrachtet sein Überleben und seine Position in Hormus bereits als eigenständigen strategischen Gewinn. Doch angesichts des heutigen Zustands von „weder Krieg noch Frieden“ und angesichts der schweren Zerstörung der Infrastruktur während des Krieges, der eingebrochenen Öleinnahmen und der weiter steigenden Lebenshaltungskosten arbeitet die Zeit gegen Teheran. Dies bedeutet dennoch keine Kapitulation.

Irans Gespräche mit Oman zeigen die Suche nach einer Ordnung, die den Handelsverkehr auf iranische und omanische Gewässer verteilt, Kriegsschiffe jedoch ausschließt. Dass ein Ausschuss des iranischen Parlaments einen Gesetzentwurf vorantreibt, der Gebühren für maritime Dienstleistungen und Sicherheitsleistungen von Schiffen aus „zugelassenen Ländern“ vorsieht, bildet die innenrechtliche Seite desselben Ziels. Teheran will die Meerenge nicht bloß schließen können, sondern zur Instanz werden, die entscheidet, wer unter welchen Bedingungen hindurchfahren darf.

Irans Hebel ist jedoch ebenfalls nicht unbegrenzt. Wird der amerikanische Korridor dauerhaft und schließen sich die Produzenten am Golf ihm an, wird Teherans faktische Kontrolle schwächer. Darin liegt Irans Dilemma. Die Meerenge geschlossen zu halten erzeugt Druck; je länger dieser Druck anhält, desto stärker beschleunigt er jedoch auch die Institutionalisierung einer alternativen Ordnung.

Bruch und unterschiedliche Wege am Golf

In letzter Zeit haben die Spannungen zwischen den Golfstaaten und Iran deutlich zugenommen. Dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sämtliche Handels- und Finanztransaktionen mit Iran einstellen, ist mehr als eine politische Reaktion. Die VAE waren eines der wichtigsten Einfallstore für iranische Importe und einer der zentralen Standorte, über die Iran unter Sanktionen Zugang zu Zahlungswegen erhielt. Die Schließung dieses Kanals ist ein erheblicher wirtschaftlicher Verlust für Teheran.

Dennoch verfolgt der Golf keine einheitliche Politik. Während Oman mit Iran über die Zukunft der Meerenge verhandelt, verurteilt Katar die iranischen Angriffe, versucht aber zugleich, den Gesprächskanal zwischen Washington und Teheran offenzuhalten. Diese Positionen mögen widersprüchlich erscheinen, beruhen jedoch auf einer gemeinsamen Sorge. Die Hauptstädte am Golf wollen nicht, dass Iran die Straße von Hormus zum Druckmittel macht. Zugleich wissen sie, dass sie bei einer erneuten militärischen Eskalation als Erste den Preis zahlen würden.

Dass auch Länder mit US-Stützpunkten Ziel von Raketen- und Drohnenangriffen wurden, hat das Vertrauen in Washingtons Sicherheitsschirm geschwächt. Vermittlung ist deshalb weniger eine Annäherung an Iran als der Versuch, eine Verteidigungslücke durch Diplomatie zu schließen. Was sich abspielt, ist somit eher eine Vielfalt von Schutzstrategien gegen dieselbe Bedrohung als ein gemeinsamer Bruch mit Iran.

Die Grenzen der Sanktionen

Das von den USA am 24. August gegen Iran angekündigte Sanktionspaket richtet sich gegen digitale Vermögenswerte, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt. Es nimmt rund 60 Personen, Organisationen und Schiffe in die Listen auf und weitet die Drohung aus, Unternehmen aus Drittländern, die mit Iran zusammenarbeiten, vom Dollarsystem auszuschließen.

In einer Wirtschaft, in der der Rial auf dem freien Markt gegenüber dem Dollar erheblich an Wert verloren hat und der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner Juli-Aktualisierung für 2026 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,4 Prozent und eine Inflation von 68,9 Prozent prognostizierte, ist dieser Druck nicht unbedeutend. Vor allem durch die Schließung des Kanals über die VAE werden die Versorgung mit importierten Vorprodukten und Ersatzteilen sowie der Zahlungsverkehr für Iran noch schwieriger. Auch Berichte iranischer Zeitungen weisen auf einen erheblichen Anstieg der Ersatzteilpreise und Arbeitskosten hin.

Wirtschaftlicher Schaden und politische Zugeständnisse sind jedoch nicht dasselbe. Iranisches Öl steht bereits unter Blockade, und die Netzwerke zur Umgehung von Sanktionen stützen sich weitgehend auf China. Der Erfolg des Pakets hängt davon ab, in welchem Maße Washington Peking und Irans Nachbarn zur Durchsetzung zwingen kann. Das neue Paket wird deshalb weniger an seinem Umfang als an seiner Umsetzbarkeit gemessen werden. Zudem könnte der Druck, anstatt die Befürworter von Verhandlungen zu stärken, in Teheran das Narrativ der Einkreisung nähren und die Suche nach Einnahmen aus Hormus noch existenzieller machen.

Israel hat auf dem iranischen Schauplatz vorerst keine sichtbare neue Front eröffnet. Es hat jedoch auch nicht das Ziel aufgegeben, Irans militärische, technologische und wirtschaftliche Fähigkeiten langfristig zu schwächen und zugleich einen fragilen Staat zu schaffen, der fortwährend Instabilität erzeugt. Taktische Gewinne haben sich nicht in einen Regimewechsel verwandelt, während der Rückgang der politischen Unterstützung innerhalb der USA die Kosten einer neuen Front erhöht hat. Die gegenwärtige Ruhe ist deshalb eher eine Neuaufstellung der Parteien als ein dauerhafter Frieden.

Der entscheidende Indikator wird in der kommenden Zeit nicht die Ankündigung von Verhandlungen sein, sondern die Frage, wessen Regeln die regelmäßige Durchfahrt durch Hormus bestimmen. Eine Durchfahrt mit Irans Erlaubnis und gegen Gebühren würde Teherans militärischen Verlust in politische Autorität verwandeln. Die Verstetigung eines kostenlosen US-Korridors würde diesen Hebel neutralisieren. Die Möglichkeit einer großen Auseinandersetzung lässt sich jedoch niemals ausschließen.

Dieser Artikel wurde erstmals am 2. September 2026 bei Anadolu Ajansı veröffentlicht.